
Jalil M.
Politische Bildung · Prävention · Digitale Demokratie
Ich wurde 1986 als Kind marokkanischer Gastarbeiter in Nordrhein-Westfalen geboren. Schon früh habe ich Rassismus erlebt: Aufgrund meiner Herkunft, meines Namens und meines Aussehens. Später kam antimuslimischer Rassismus hinzu.
Gleichzeitig bin ich in einem stark religiösen Umfeld aufgewachsen. Moscheeunterricht, islamische Bildung und religiöse Strukturen gehörten für mich von klein auf zum Alltag. Vieles davon erschien mir lange selbstverständlich und wurde kaum hinterfragt.
Später wurde ich selbst aktiv: in Moschee- und Bildungsvereinen, als Übersetzer, mit eigenen Unterrichten sowie in sozialen und karitativen Projekten. Neben meiner akademischen Ausbildung in Marketing und Wirtschaftsinformatik absolvierte ich einen privaten islamischen Studiengang und zahlreiche weitere Seminare. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete ich außerdem ein Unternehmen für muslimische Bildungsreisen.
Ich wollte verstehen, was wahr und richtig ist. Dabei lernte ich unterschiedliche islamische Strömungen, Auslegungen und Milieus kennen. Erst mit der Zeit erkannte ich, wie stark ich selbst in Denkweisen und Strukturen eingebunden war, die ich heute als islamistisch einordne.
Islamismus beginnt für mich nicht erst dort, wo Gewalt ausgeübt wird. Er zeigt sich auch in absoluten Wahrheitsansprüchen, sozialer Kontrolle, der Abwertung anderer Lebensweisen und in der Vorstellung, religiöse Regeln müssten auch für Menschen gelten, die sie selbst nicht gewählt haben.
Diese Erkenntnis war kein einzelner Moment, sondern ein langer Prozess. Ich begann, vieles neu zu denken, Gewissheiten loszulassen und Überzeugungen grundlegend zu hinterfragen. Mein wichtigster Maßstab wurde dabei die Überzeugung:
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Gleichzeitig weiß ich aus eigener Erfahrung, warum islamistische Angebote für manche Menschen attraktiv werden können. Wer immer wieder das Gefühl bekommt, nicht dazuzugehören, sucht umso stärker nach Identität, Anerkennung und Gemeinschaft. Genau dort setzen islamistische Gruppen an.
Eine meiner zentralen Thesen lautet deshalb:
Rassismus ist ein Katalysator für Islamismus.
Wer Islamismus wirksam bekämpfen will, darf Rassismus nicht ausblenden. Beides darf nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Hauptberuflich gestalte ich Digitalisierungsprozesse für das Land Nordrhein-Westfalen. Seit rund sieben Jahren arbeite ich außerdem in der Islamismusprävention, Demokratieförderung und Antirassismusarbeit.
Mit PerspektivCheck verbinde ich persönliche Erfahrung, religiöses Wissen, akademisches Denken und praktische Bildungsarbeit. Ich biete Vorträge, Workshops, Seminare und Moderationen zu Islamismus, Rassismus, Religion, Identität, digitaler Demokratie und gesellschaftlichen Konflikten an.
Ich möchte Einblicke in eine Welt geben, die für viele von außen kaum sichtbar ist, nicht aus theoretischer Distanz, sondern aus eigener Erfahrung.
Dabei geht es mir nicht um Abrechnung oder einfache Feindbilder. Ich möchte Zusammenhänge verständlich machen, Widersprüche sichtbar machen und Fachkräften, Institutionen und Teilnehmenden konkrete Impulse für ihre Arbeit geben: Klar in der Sache, nah an den Lebenswelten der Menschen und immer mit Blick auf die Würde des Einzelnen.
